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Shiri, Ariel und Kfir Bibas sind tot

Autorenbild: Tom David FreyTom David Frey

Über ein Jahr lang hofften die Menschen und forderten die Rückkehr der rothaarigen Familie.

Nun wurden Shiri Bibas und ihre zwei kleinen Söhne Kfir und Ariel von Hamas in Gaza ans Rote Kreuz übergeben – tot.


Der folgende Text basiert auf einem Video-Skript und steht nun auch als Blogartikel zur Verfügung.



Kfir Bibas war gerade einmal neun Monate alt, als er am 7. Oktober 2023 entführt wurde. Auch Kfirs Bruder Ariel, der damals vier Jahre alt war, wurde von bewaffneten Männern in ziviler Kleidung entführt. Und auch ihre Mutter Shiri wurde von den brutalen Männern aus dem Leben gerissen.


Die Bilder der Entführung der kleinen Familie haben sich in die Köpfe und in die Herzen vieler Menschen eingebrannt. Die Augen der völlig verzweifelten jungen Mutter, die ihre zwei rothaarigen Kinder an sich gepresst hält, die versucht, die beiden Jungen irgendwie zu schützen, während sie entführt werden, sind Zeugnis eines schrecklichen Verbrechens.


Es verwundert nicht, dass die Farbe Orange zum Symbol geworden ist. Zum Symbol für jüdisches Leid. Zum Symbol der Verzweiflung, dass Judenhasser selbst vor den schützenswertesten und kleinsten Menschen der Gesellschaft – also vor Kindern und Babies – nicht Halt machen. Zum Symbol der Hoffnung darauf, dass vielleicht doch noch ein Wunder geschehen könnte, dass diese kleine Familie dem Höllenloch Gaza am Ende irgendwie doch noch würde entrinnen können.

Orange als Farbe des Leids, der Fassungslosigkeit und Hoffnung.


Auf Veranstaltungen auf der ganzen Welt wurden die Bilder von Kfir, Ariel und Shiri gezeigt. Ihr Leid steht symbolisch für das Grauen des 7. Oktober. Also für den Tag, an dem Jihadisten und palästinensische Zivilisten die südliche Grenze Israels stürmten und dann über 1.200 Menschen brutal abschlachteten. Rund 250 weitere verschleppten sie – in das dunkle Labyrinth aus Tunneln, das sich unter Gaza erstreckt, in von der UN finanzierte Schulen, aber auch in Privathäuser von palästinensischen Zivilisten. Dort wurden die Geiseln systematisch erniedrigt, gefoltert und ihrer Menschenwürde beraubt.


Ein lächelndes Baby, Kfir Bibas, in hellem Strampler auf gemustertem Hintergrund. Großes gelbes Schild mit rotem Text: "KID NAPPED". #BRINGTHEMHOMENOW.
Foto von Baby Kfir Bibas, entführt mit neuen Monaten

Nochmal: Kfir Bibas war bei seiner Entführung gerade einmal neun Monate, sein Bruder vier Jahre alt. In den Augen ihrer palästinensischen Entführer galten beide dennoch als “Besatzer", als Krebsgeschwür, als unwürdiges, weil jüdisches Leben. Die Entführung der beiden kleinen Jungen feierten die Täter in den sozialen Medien stolz als Akt eines Widerstands. Aber was ist das für ein Widerstand, der das Nehmen von Babies und Kleinkindern als Geiseln feiert, nicht verabscheut?


Fast anderthalb Jahre lang bangten Menschen aus aller Welt um das Wohlergehen von Baby Kfir, seinem Bruder Ariel und ihrer Mutter Shiri. Sie beteten. Sie sangen. Sie lagen sich in den Armen. Sie forderten die Welt auf, bei jüdischem Leid dieses Mal nicht den Blick abzuwenden, stattdessen hinzusehen und laut die Gerechtigkeit einzufordern, die Baby Kfir, Ariel und ihre Mutter Shiri zustanden. Am Ende, so scheint es, war alles umsonst. Außer einigen couragierten Individuen, die auf die schreiende Ungerechtigkeit und das schiere Leid hinwiesen, blieben die meisten Regierungen, NGOs und Berichterstatter verdächtig still.

Die unschuldigen Geiseln, deren Leben am seidenen Faden hingen, verursachten im Westen keine Demonstrationen. Kein Student besetzte eine Uni, um auf den Massenmord hinzuweisen, der in seiner Bestialität nur noch mit dem Handeln der Nazis vergleichbar ist. Niemand rief zum Boykott palästinensischer Waren auf, um so irgendwie die Freilassung der Geiseln zu erzwingen. Und auch in den Sozialen Medien und auf den Roten Teppichen stolperte man nur selten und sehr vereinzelt über Menschen, die den Mut hatten, auf jüdisches Leid aufmerksam zu machen.


Heute also ist die Familie Bibas aus Gaza zurückgekehrt. Das Lachen von Baby Kfir aber werden wir nicht mehr sehen. Denn Kfir, Ariel und Shiri Bibas sind tot. In Särgen wurden sie dem Roten Kreuz übergeben. Und selbst dieser letzte Akt, die Rückgabe der Leichname dieser unschuldigen Menschen, war für die palästinensischen Täter nicht etwa eine Selbstverständlichkeit, nein, selbst für diesen letzten Schritt verlangten sie einen Preis: die Freilassung von Straftätern.


Ein maskierter Mann mit Gewehr steht vor einem Plakat mit einer blutigen Karikatur. Darunter Text in mehreren Sprachen. Vier schwarze Särge im Vordergrund. Die Geiseln, Kfir Bibas, Ariel Bibas und Shiri Bibas, sind tot. Ermordet von Hamas in Gaza.
Stolz präsentiert die Terrororganisation die Särge der ermordeten Geiseln auf öffentlicher Bühne

Jede Hoffnung auf das kleinste Bisschen Menschlichkeit hat sich mit der Rückkehr der Familie Bibas nun zerschlagen. Von der brutalen Geiselnahme über die Ermordung bis hin zur Rückgabe der Leichname haben die Täter keine Gnade gezeigt, keine Menschlichkeit, keinen Zweifel an ihrer eigenen Bestialität.


Wie Kfir, Ariel und Shiri genau ums Leben gekommen sind, wird im Moment untersucht. Aber am Ende spielt es eigentlich keine Rolle. Ob sie erschossen wurden oder verbrannt, wie so viele andere Opfer am 7. Oktober, oder ob sie im Kriegsgeschehen ihre Leben ließen, macht keinen Unterschied mehr.


Die Schuld an der Ermordung der kleinen Familie liegt einzig und allein bei der radikalislamistischen Gruppe Hamas, die ihre Hassideologie jahrelang in die Köpfe von Millionen Palästinenser hämmern konnte. Die Juden entmenschlichte und so den Boden für Pogrome und Massenmord ebnete.

Schuld ist aber auch die palästinensische Zivilbevölkerung, die nie die Forderung aufgestellt hat, endlich die Geiseln freizulassen. Nicht einmal dann, als es darum ging, die eigene Haut zu retten. Nicht einmal, als die Hölle des Krieges losbrach, die die Täter fassen und die Geiseln befreien sollte, wurde der Ruf in der palästinensischen Bevölkerung vernehmbar, die unschuldigen Menschen freizulassen.


Schuld am Tod von Kfir, Ariel und Shiri Bibas tragen aber auch die Vereinigten Staaten von Amerika und Europa, die mit ihren Wohlfahrts- und Sozialprogrammen den Jihadisten aus Gaza jahrzehntelang den Rücken gestärkt und die Gruppe so haben mächtig werden lassen. Die keine Entnazifizierung von palästinensischen Schulbüchern gefordert und deren Hilfswerke selbst Terroristen engagiert haben.


Und auch die Medien tragen Schuld am grauenvollen Tod dieser kleinen Familie. Wieder und wieder verbreiteten sie von den Terroristen fabrizierte Lügengeschichten weiter. Wieder und wieder machten Kollegen in ihrer Berichterstattung aus Opfern Täter und aus Tätern Opfer. Wieder und wieder kontextualisierten sie den Mord und die Entführung jüdischer Zivilisten und lenkten so ab vom grauenvollen Verbrechen des 7. Oktober, der am Ende nicht nur in einen offenen Krieg in Gaza, sondern der vor allen Dingen in einen Krieg der Bilder mündete – den die Terroristen klar für sich entschieden.

Familie Bibas auf Sofa, alle lächeln. Graue Batman-Shirts. Helle Holzwand im Hintergrund. Zwei Kinder, beide rothaarig, eines mit Schnuller.
Familie Bibas vor dem 7. Oktober 2023

Baby Kfir, sein Bruder Ariel und ihre Mutter Shiri sind tot. Und doch bleibt der Aufschrei aus.

Schließlich sind es Juden, die ermordet wurden.

Das hat früher niemanden interessiert – und heute ist das nicht anders.

Und ein “Aber” ist schnell gefunden, eine Kontextualisierung flink hergestellt.


In dieser schweren Stunde, die so viel Hoffnung zerschlägt, die so viel Leid mit sich bringt, sollten alle Menschen Yarden Bibas in ihre Gebete miteinschließen. Gerade erst aus Gaza freigekommen, steht Shiri Bibas' Ehemann und Vater von Baby Kfir und dem kleinen Ariel nun ganz alleine da.

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Tom in Israel, Kibbuz Kfar Aza.jpg

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